Deutsch - Erlebte Rede
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Erlebte Rede: Definition, Merkmale & Anwendung
Die erlebte Rede ist ein Stilmittel, das eine besondere Wirkung auf den/die Leser*innen entfaltet. Denn die erlebte Rede gewährt in literarischen Texten einen direkten Einblick in die innere Welt von Figuren und erlaubt es, in die Gefühle, Gedanken und Empfindungen von ihnen einzutauchen.
Wann wird die erlebte Rede verwendet und wie kannst du das Stilmittel von den anderen Formen der Figurenrede wie dem inneren Monolog, der direkten und indirekten Rede abgrenzen? In dieser Übung zeigen wir die wichtigsten Merkmale der erlebten Rede und geben dir viele Beispiele und Hilfestellungen.
Was ist die erlebte Rede?
Die erlebte Rede ist ein Stilmittel aus der Epik und bezeichnet eine von fünf Formen der Figurenrede (auch Personenrede). Unterschieden wird dabei zwischen direkter, indirekter, erlebter Rede, dem inneren Monolog und dem Bewusstseinsstrom, bei dem Gedanken und Gefühle ungeordnet und zusammenhangslos wiedergegeben werden.
Die erlebte Rede dient der Wiedergabe von inneren Vorgängen einer Figur. Ihre Gedanken, Gefühle und Empfindungen werden den Leser*innen von einem/einer personalen Erzähler*in nähergebracht, der/die in die Innenperspektive der Figur schlüpft.
Da die Figur nicht selbst spricht, wird die erlebte Rede im Indikativ (Wirklichkeitsform) und im Tempus Präteritum in der dritten Person ausgedrückt. Als Erzählweise findet sich die erlebte Rede häufig in Kurzgeschichten, Erzählungen und im modernen Roman.
Beispiel
Ein schwach geworfener Apfel streifte Gregors Rücken, glitt aber unschädlich ab. Ein ihm sofort nachfliegender drang dagegen förmlich in Gregors Rücken ein.
(„Die Verwandlung“, Franz Kafka)
- In dem Beispiel nimmt ein/eine Erzähler*in als ein Teil der Geschichte eine „Vermittlerrolle“ ein und berichtet über die Gedanken und Gefühle der Figur (Gregor) in der dritten Person („Ihm“). Der/die Erzähler*in tritt dabei nicht ganz in den Hintergrund, aber verlagert die Perspektive auf die Figur, aus der das Geschehen betrachtet wird.
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Merkmale der erlebten Rede
Es gibt einige Merkmale, an denen du die erlebte Rede in einem Text erkennen kannst.
Tempus und Personalpronomen
Die erlebte Rede steht meist im Präteritum und wird in der dritten Person Singular oder Plural ausgedrückt. Dabei werden Personalpronomen wie „er“, „sie“ oder „es“ verwendet. Auf diese Weise wird es dem/der Erzähler*in ermöglicht, die Gedanken einer Figur zu beschreiben.
Paris? Nach Paris! Der Schreck traf ihn wie ein elektrischer Schlag (…) Unmöglich, dann musste er dort eine Stunde warten, und dafür hatte er keine Zeit mehr.
(„Unter der Sonne“, Daniel Kehlmann).
Keine Anführungszeichen oder Konjunktiv
Äußerungen und Gedanken werden aus der Perspektive der Figur wiedergegeben. Jedoch werden bei der erlebten Rede keine Anführungszeichen oder Konjunktive („er solle“, „sie habe“) verwendet.
Warum war ihr Gatte nicht wenigstens einer dieser stillen, aber ehrgeizigen Männer der Wissenschaft, die die ganze Nacht über ihren Büchern sitzen (…)?
(„Madame Bovary“, Gustave Flaubert)
Modalverben
Modalverben (sollen, müssen, dürfen) werden eingesetzt, um Vermutungen oder Hoffnungen einer Figur auszudrücken.
(Der Konsul ging … umher …) Er hatte keine Zeit. Er war bei Gott überhäuft. Sie sollte sich gedulden.
(„Buddenbrooks“, Thomas Mann).
Verwendung von Partikeln
In der erlebten Rede kommen häufig Ausrufe und Fragen vor, um die Gedanken und Empfindungen einer Figur zu vermitteln. Außerdem werden Partikel wie „nun“, „ja“, „doch“, „wohl“, „eben“, „oh“, „ach“ und „leider“ gebraucht, die einen umgangssprachlichen Charakter haben.
Wie sollte es nun Auguste erfahren? (…) Man nahm eben Auguste einfach nicht für voll. […] Es mußte etwas getan werden, sonst konnten Auguste die unerhörtesten Dinge passieren.
(„Auguste Bolte“, Kurt Schwitters).
Bei den Merkmalen handelt es sich um Hinweise darauf, dass es sich um erlebte Rede handeln kann. Oft ist die erlebte Rede in den Erzählbericht eingebettet. Um sie eindeutig zu identifizieren, solltest du immer die Gesamtsituation der Erzählung in die Betrachtung miteinbeziehen.
Erlebte Rede oder innerer Monolog?
Die erlebte Rede ist eine Mischform aus Bericht und inneren Monolog (Selbstgespräch). Sowohl mit der erlebten Rede als auch mit dem inneren Monolog werden die Gedanken und Empfindungen von Figuren wiedergegeben. Es gibt aber Unterschiede, wie du sie auseinanderhalten kannst.
- Die erlebte Rede wird in der dritten Person im Präteritum verfasst; der innere Monolog findet in der ersten Person in Präsens statt.
- Bei der erlebten Rede gibt es eine/n Erzähler*in, der/die einen Einblick in die Gedanken und Gefühle einer Figur gibt; beim inneren Monolog hingegen gibt es keine/n Erzähler*in. Die Figur redet gedanklich mit sich selbst.
- Die erlebte Rede ist für den/die personale/n Erzähler*in charakteristisch; beim inneren Monolog werden Gedanken und Gefühle in der Ich-Form ausgedrückt. Der innere Monolog ist daher typisch für ein/e Ich-Erzähler*in.
Beispiele
Erlebte Rede: Er würde noch verrückt. Wo war denn jetzt nur seine Uhr hin?
Ein/e Erzähler*in schlüpft in die Perspektive der Figur, was unter anderem an der Erzählzeit (Präteritum) und der dritten Person erkennbar wird.
Innerer Monolog: Ich werde noch verrückt. Wo ist denn jetzt nur meine Uhr hin?
Die Figur spricht in diesem Beispiel mit sich selbst. Außerdem ist deutlich zu erkennen, dass es ein „Ich“ ist, das spricht.
Erlebte Rede, direkte Rede und indirekte Rede
Die erlebte Rede ist eine Zwischenform von der direkten und indirekten Rede und weist ebenfalls Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu diesen Formen der Figurenrede auf. Zur Veranschaulichung werden die verschiedenen Formen gegenübergestellt:
Direkte Rede: „Muss ich meinem Bruder wirklich helfen?“, fragte er.
Indirekte Rede: Er fragte, ob seinem Bruder wirklich helfen müsse.
Erlebte Rede: Musste er seinem Bruder wirklich helfen?
Direkte Rede
Hierbei handelt es sich um eine wörtliche Wiedergabe der Figur, was an den verwendeten Anführungszeichen im Text erkannt werden kann. Zudem wird bei der direkten Rede der Wortlaut der/des Sprechenden genau übernommen. Der/die Erzähler*in rückt in den Hintergrund.
Indirekte Rede
Bei der indirekten Rede werden Aussagen oder Fragen wiedergegeben, die andere Menschen gesagt oder geschrieben haben. Der ursprüngliche Aussagesatz wird dabei sinngemäß in eigenen Worten wiederholt. Die indirekte Rede steht immer im Konjunktiv (der Möglichkeitsform).
-> Mit der direkten Rede hat die erlebte Rede die Wortstellung gemeinsam. Bei der indirekten Rede ist es der Wechsel des Subjekts (der Figur) in die dritte Person. Die Figur spricht nicht selbst, sondern der/die Erzähler*in gibt wieder, was sie sagt.
Wirkung der erlebten Rede
Die erlebte Rede bringt Eigenschaften mit sich, die eine besondere Wirkung auf den/die Leser*innen haben. Der/die Erzähler*in gibt die Gedanken und Gefühle einer Figur wieder, was einen direkten Einblick in die Innenwelt der Figuren erlaubt. Außerdem wird die Distanz zwischen dem/der Erzähler*in und den Figuren aufgehoben, was eine bessere Identifikation mit den Figuren ermöglicht. Diese wirken durch die erlebte Rede nicht nur authentischer und lebendiger, sondern ihre Motivation, Emotionen und Gedankengänge können besser nachempfunden werden.
Zusammenfassung
Merkmale und Tipps zum Erkennen der erlebten Rede
- Tempus und Personalpronomen: Indikativ (Wirklichkeitsform) und Tempus Präteritum in der dritten Person. Personalpronomen wie „er“, „sie“ oder „es“ werden verwendet.
- Keine Anführungszeichen oder Konjunktiv: Bei der erlebten Rede werden keine Anführungszeichen oder Konjunktive verwendet.
- Modalverben: Modalverben (sollen, müssen, dürfen) werden eingesetzt, um Vermutungen oder Hoffnungen einer Figur auszudrücken.
- Verwendung von Partikeln: Ausrufe und Fragen kommen häufig vor; Die Verwendung von Partikeln vermittelt einen umgangssprachlichen Charakter.
Unterschied: Innerer Monolog
- Erlebte Rede: dritte Person im Präteritum; personale/r Erzähler*in ist typisch, der/die in die Perspektive der Figuren schlüpft.
- Innerer Monolog: erste Person in Präsens; kein/e Erzähler*in; (Ich-Erzähler*in).
Unterschied: Direkte und indirekte Rede
- Die erlebte Rede ist eine Zwischenform von der direkten und indirekten Rede. Mit der direkten Rede hat die erlebte Rede die Wortstellung gemeinsam. Bei der indirekten Rede ist es der Wechsel des Subjekts (der Figur) in die dritte Person.
- Direkte Rede: Wörtliche Wiedergabe der Figur; Anführungszeichen; der Wortlaut der/des Sprechenden wird übernommen; Erzähler*in rückt in den Hintergrund.
- Indirekte Rede: Der ursprüngliche Aussagesatz wird sinngemäß in eigenen Worten wiederholt; Die indirekte Rede steht im Konjunktiv (der Möglichkeitsform).
Funktion und Wirkung der erlebten Rede
- Unmittelbarer Einblick in die Innenwelt der Figuren.
- Distanz zwischen dem/der Erzähler*in und den Figuren wird aufgehoben, um Gefühle und Gedanken wiederzugeben.
- Ermöglicht bessere Identifikation mit den Figuren.
Was sind Merkmale der erlebten Rede?